Artikel Pflege & Gesellschaft 1/2006

Einleitung in den Themenschwerpunkt: “Helfen” als Aufgabe der Pflege

Renate Stemmer

11. Jahrgang (1) – Februar 2006 Seite 9-10 ISSN 1430-9653

Der Gegenstand der Pflegewissenschaft ist die Pflege selbst. Doch wie kann der Kern pflegerischen Handelns verstanden werden? 15 Jahre Pflegewissenschaft an bundesdeutschen Hochschulen haben hierzu einen Klärungsprozess in Gang gesetzt. Doch nach einer ersten Welle der Auseinandersetzung mit Theoriepositionen ist das Interesse abgeebbt. Die Gründe dafür sind vielfältig. Die pflegewissenschaftliche Diskussion wandte sich neuen Themen zu, u.a. den Pflegeklassifikationen, dem Pflegeassessment und der Outcome-Messung. Die theoretische Fundierung pflegewissenschaftlicher Anstrengungen sowie pflegerischen Handelns ist jedoch weiterhin unabdingbar. Gefahren, die mit einem drohenden Theoriedefizit verbunden sind, sind u.a. von Schaeffer et al. (1997) und Stemmer (2004) dargelegt worden.
Die Sektion Hochschullehre Pflegewissenschaft der Deutschen Gesellschaft für Pflegewissenschaft versteht sich als ein Forum, das die Klärung pflegewissenschaftlicher Fragestellungen vorantreiben und unterstützen möchte. Ihr zentrales Anliegen besteht in der Weiterentwicklung des Fachgebietes Pflegewissenschaft als Lehrfach an Hochschulen. Sie verfolgt diese Zielsetzung durch Aufbau eines Netzwerkes von Pflegewissenschaftlerinnen und Pflegewissenschaftlern, durch die Organisation von Fachtagungen und Expertengesprächen, durch Publikationen sowie durch Vertretung von pflegewissenschaftlichen Interessen gegenüber anderen wissenschaftlichen Gesellschaften, Hochschulinstitutionen und sonstigen Organisationen.
Vor dem Hintergrund dieses Selbstverständnisses ist es ihr ein Anliegen, die Theoriediskussion neu zu beleben. Ein erster Schritt in diese Richtung stellt ein Fachgespräch dar, das am 24.06.2005 an der Evangelischen Fachhochschule in Darmstadt stattfand.
Die Idee bestand darin, in einem überschaubaren Kreis wissenschaftliche Ansätze pflegebezogen miteinander ins Gespräch zu bringen. Der Strauß möglicher Perspektiven auf die Pflege ist groß. Im Sinne einer pragmatischen Entscheidung wurden folgende Zugänge gewählt: die kommunikative Rationalität (vertreten durch Karin Wittneben), die Negative Dialektik (Ulrike Greb), die systemische Perspektive (Ulrike Höhmann), die theologische Perspektive (Silvia Käppeli), die spirituelle (Christa Olbrich) sowie die phänomenologische Perspektive (Wolfgang Hoops). Es waren also sechs Positionen geplant, leider fiel wegen Krankheit der Beitrag von Frau Wittneben aus.
Soweit eine Theoriediskussion im pflegewissenschaftlichen Kontext geführt wird, stehen die einzelnen Positionen meist ohne Bezug nebeneinander. Doch die jeweilige Spezifität und das damit verbundene Potential für eine theoretische Fundierung von (Teil-) Aspekten der Pflege könnte klarer sichtbar werden, wenn verschiedene Positionen miteinander ins Gespräch kommen. In diesem Sinne zielte das Fachgespräch darauf ab, einigen exemplarischen Ansätzen ein Forum für diesen Austausch zu bieten.
Um die Bezugnahme zu erleichtern, wurden die ReferentInnen gebeten, ihre Positionen unter Bezug auf einen speziellen Begriff, den des Helfens zu entfalten. Der Begriff “Helfen” wurde gewählt, da er einerseits – so die Annahme – eine deutliche Nähe zu einem Teilbereich pflegerischen Handelns gibt. Er wurde darüber hinaus als ein Werkzeug verstanden, das es möglich macht, den nicht leicht fassbaren Pflegebegriff aufzubrechen und einer Diskussion zugänglich zu machen.
Die Konzeption des Fachgespräches sah vor, dass die einzelnen VertreterInnen einen kurzen Input gaben, der dann die Diskussion eröffnete. Für die Publikation sind diese Inputs (mit Ausnahme des Beitrags von Silvia Käppeli) verschriftlicht und überarbeitet worden. Das Fachgespräch lebte von der Diskussion, die von Sabine Bartholomeyczik moderiert wurde. Diese findet sich jetzt in Protokollnotizen zusammengefasst den Texten der ReferentInnen jeweils zugeordnet.
Dieses Fachgespräch hat den Faden der Theoriediskussion wieder aufgenommen. Wir hoffen, dass die LeserInnen von Pflege und Gesellschaft angeregt werden in dieser Zeitschrift oder bei einem nächsten Fachgespräch mit- und weiterzudiskutieren.

Help – a task of nursing. Introduction instead of an abstract

The object of nursing science is nursing itself. But what is the core of nursing? Fifteen years ago nursing science in Germany started with a comprehensive debate about nursing theories. But several years ago the discussion declined for different reasons. The academic discourse chose new subjects e.g. nursing classification, nursing assessment and outcome measurement. Nevertheless the theorecitcal frame of scientific as well as practical work is necessary. Threats connected to a theoretical deficit are described by Schaeffer et al. (1997) and Stemmer (2004).
Nursing Science in University Programmes a division of the ,German Association of Nursing Science wants to push the debate of theoretical questions in nursing science. The division pursues this aim by supporting the network-builduing of nursing scientists, organizing conferences and expert discussions, publishing conference proceedings and representing the position of nursing science towards other organizations.
The division Nursing Science in University Programmes took one step to reactivating the theoretical discourse by organizing an expert discussion at the Protestant University of Applied Sciences, Darmstadt in June 2005. The idea was to start a discussion of theoretical approaches related to nursing within a small expert group.
There are many different theoretical perspectives of nursing. In a pragmatic way it was decided to bring the following approaches together: Communicative Rationality (represented by Karin Wittneben), Negative Dialectic (Ulrike Greb), the systemic approach (Ulrike Höhmann), the theological approach (Silvia Käppeli), the spiritual (Christa Olbrich) as well as the phenomenological approach (Wolfgang Hoops). Thus the presentation of six different positions was planned, unfortunately Karin Wittneben could not come because of illness.
Mostly in theoretical debates different statements stay separated. However the potential of a position could become clearer, if the approaches were discussed in a related manner. Therefore it was the aim of the expert discussion offering forum to start exchanging different statements. For methodical reasons the lecturer were asked to develop their positions related to the term ,help. The term “help” was choosen because of its close relationship to some important aspects of nursing care. Furthermore – so the assumption – this term can be used as a tool to find an access to an interpretation of ,nursing. At the expert discussion short statements led to the debate with the auditorium. For the following publication the authors (except for Silvia Käppeli) have revised their statements. The lively discussion was moderated by Sabine Bartholomeyczik and was characterised by an intensive exchange of opinions and positions which were fixed in minutes.
This expert discussion picked up the thread of theoretical discussion in nursing science. We hope that the readers of “Pflege und Gesellschaft” are motivated to join this debate in this journal or in future expert discussions.

“Helfen” im Diskurs der Negativen Dialektik – ein Chiffre für pflegerisches Handeln

Ulrike Greb

11. Jahrgang (1) – Februar 2006 Seite 12-16 ISSN 1430-9653

“Hilfehandeln” als Tätigkeit der beruflichen Pflege

Ute Höhmann

11. Jahrgang (1) – Februar 2006 Seite 17-30 ISSN 1430-9653

Der zur Diskussion gestellte konzeptionelle Bezugsrahmen zum Hilfehandeln als Tätigkeit der beruflichen Pflege verschränkt eine systemische mit einer handlungstheoretischen Perspektive. Dargestellt werden grundsätzliche Theorie- und Wertentscheidungen der wichtigsten Bestimmungselemente: Die strukturellen Bedingtheiten des Hilfehandelns auf Mikro-, Meso-, und Makroebene, zentrale Funktionsbestimmungen, die pflegerischen Kernaufgaben sowie die Konsequenzen des Hilfehandelns. Inhaltlich ausgeführt wird dies mit Bezug auf Trajektarbeiten und Grundzüge der Philosophie der Anerkennung.

Spiritualität in der Bedeutung für die Pflege

Olbrich, Ch. 

11. Jahrgang (1) – Februar 2006 Seite 31-41 ISSN 1430-9653

In den folgenden Ausführungen wird Spiritualität nicht im Verständnis von Religion, Glaube oder Theologie verwendet, sie wird ausschließlich aus der Naturwissenschaft, der Physik abgeleitet.

 

Eine kleine Phänomenologie des Helfens – Versuch über Husserl

Hoops, W.

11. Jahrgang (1) – Februar 2006 Seite 44-50 ISSN 1430-9653

Profis und freiwillig Engagierte – ein Kompetenzteam? Visionen, Anspruch und Wirklichkeit

Hoppe, B.

11. Jahrgang (1) – Februar 2006 Seite 51-60 ISSN 1430-9653

Eine bessere Zusammenarbeit von Professionellen und Freiwilligen im Sozial- und Gesundheitswesen fußt auf einem beruflichen Selbstverständnis, das den Wunsch von Menschen nach Teilhabe und Gestaltungsfreiheiten anerkennt. Profis der Sozialen Arbeit müssen den Sozialraum, die Lebenswelt von Menschen wahrnehmen und Bündnisse anbieten. Professionelle müssen Kooperationen auf Augenhöhe wollen und realisieren können. Der Beitrag fokussiert die gesellschaftlichen, institutionellen und individuellen Konflikte, die dazu führen, dass Profis und Freiwillige nur selten zu Win-Win-Lösungen finden, und zeigt auf, welche Strategien und Veränderungen für eine produktive Zusammenarbeit erforderlich sind.

Any improvement of the cooperation between professional and voluntary workers in the field of health and social care must be based on a specific professional approach, that centres in the acknowledgement of the human aspiration to participate, contribute and create. Professionals in social care have to be able to identify the aspects of community and recognize the individual concept of living. They have to offer arrangements for mutual aid on the basis of symmetrical relations. Social, institutional and individual conflicts often prevent professionals and voluntary workers from finding possible win-win-solutions. The contribution focuses on these conflicts and shows strategies and necessary transformations leading to a productive cooperation.

Im Angesicht des Anderen: »Schützen müssen« Antrittsvorlesung am Lehrstuhl für familienorientierte und gemeindenahe Pflege, Institut für Pflegewissenschaft, Universität Witten/Herdecke.

Schnepp, W. 

11. Jahrgang (1) – Februar 2006 Seite 61-76 ISSN 1430-9653

Gegenstand dieses Beitrags ist die Antrittsvorlesung am Lehrstuhl für familienorientierte und gemeindenahe Pflege an der Universität Witten/Herdecke. Es wird argumentiert, dass deutsche Untersuchungen zur Angehörigenpflege Mängel aufweisen und dazu tendieren bestimmte Gruppen auszuschließen. Ausgehend von einer familienorientierten Perspektive werden aufgrund der Forschungen am Lehrstuhl erste Ergebnisse zur Rolle von Familien bei der Krankheitsbewältigung dargestellt. Familien haben den Auftrag, den Kranken umfangreich zu schützen, nicht zuletzt auch deshalb, um Bedrohungen durch professionelle Helfer abzuwehren. Mit einem Blick auf künftige Untersuchungen endet dieser Beitrag.

In the face of the other: protecting as a »must« The subject of this article is the inaugural speech at the chair of family-oriented and community-based nursing. It is argued that German researches on care-giving show many shortcomings, i.e. the tendency to exclude certain groups. On behalf of a family-oriented perspective first findings of different researches on the role of families when coping with illness are presented. Families have the obligation to protect the ill family-member not least because of the threats by professional health-care-workers. The article ends with a view on future research.

Artikel Pflege & Gesellschaft 2/2006

Pflegeforschung: Fortschritte und Herausforderungen

Tierney, A.J. 

11. Jahrgang (2) – Mai 2006 Seite 101-114 ISSN 1430-9653

Für die Entstehung der Pflegeforschung war zunächst ein Fortschreiten der Pflegeausbildung zum Studium an der Universität wichtig. Die zur Verfügung stehenden Bücher und Zeitschriften hinkten dieser Entwicklung hinterher, auch die Pflegepraxis war noch länger reine Routine. Zunächst hatten einzelne Pflegende ein Interesse an der Forschung und führten kleine Projekte durch. Kollektive Aktivitäten mit Unterstützung durch die Pflegeverbände und später der Regierungen erlaubten größere Projekte. Heute müssen in Folge der öffentlichen Förderung Qualitätsstandards eingehalten werden. Inzwischen können mit Evidenz basierter Pflege Erkenntnisse besser in die Praxis eingebracht werden. Die Berufsgruppe muss jedoch sicherstellen, dass die menschliche Seite der Pflege weiterhin einen Platz neben der naturwissenschaftlichen Seite hat.

Abstract:

Important for the emergence of nursing research was the connection of nursing education with universities. The available books and journals though were not up to this development and nursing practise was still pure routine. In the beginning individual nurses showed an interest in research and conducted small projects. Collective activities with support of nursing associations and later governments allowed for larger projects. Today, with public finding, requirements of quality assurance have to be met. In the meantime evidence based nursing helps to transfer nursing knowledge into practise. But the profession has to ensure that the art of nursing continues to have a place alongside the science of nursing.

Pflegeperspektiven in einer globalisierten Welt

Friebe, J. 

11. Jahrgang (2) – Mai 2006 Seite 115-123 ISSN 1430-9653

Globalisierung ist die weltweite Ausbreitung des westlichen Wirtschaftssystems, der Kommunikation, des Transports und der Dienstleistung. Auch der Pflege- und Gesundheitsbereich internationalisiert sich zunehmend, was an den internationalen Gesundheitskonzernen, der Mobilität der Beschäftigten und Klient/inn/en sowie an grenzüberschreitenden Konzepten gut erkennbar ist. Welche Schritte muss die Pflegewissenschaft angesichts dieser Herausforderungen gehen? Anhand der Situation des Pflegepersonals mit Migrationshintergrund und Beispielen aus der Altenpflege werden Forschungsthemen der Pflegewissenschaft aus inter- bzw. transkultureller Perspektive aufgezeigt.

Globalization means the dissemination of economies, communications and services. Also the health and nursing systems are becoming more international which can be seen both in cross-border organisations and concepts and the increasing cross-border mobility of patients and staff. How should the nursing sciences respond to these developments? This paper discusses some examples of elderly care with particular attention being paid to migration and intercultural issues.

Stand und Perspektiven der Historischen Pflegeforschung in Deutschland

Heinrich Recken

11. Jahrgang (2) – Mai 2006 Seite 124-132 ISSN 1430-9653

Die Entwicklung historischer Pflegeforschung der letzten 20 Jahre zeigt zwei unterschiedliche Entwicklungslinien auf, die ihre Entstehungsursachen in der unterschiedlichen Entwicklung der Pflegeberufe in der Bundesrepublik Deutschland und der Deutschen Demokratischen Republik haben. Die unterschiedlichen Ansätze werden herausgearbeitet und nach einer Verortung der historischen Pflegeforschung in der akademischen Lehre gefragt.

The development in history of nursing research during the last two decades has taken two different ways because of the own progress of nursing in the Federal Republic of Germany and the German Democratic Republic. These different ways are presented; the position of history of nursing at the universties is discussed.

Felder psychiatrischer Pflegeforschung und Perspektiven für Deutschland
Walter, G. Schoppmann, S

 

11. Jahrgang (2) – Mai 2006 Seite 133-140 ISSN 1430-9653

Der nachfolgende Beitrag beschäftigt sich mit den Unterschieden zwischen psychiatrischer und allgemeiner Pflege, zeigt Interessen psychiatrischer Pflegewissenschaftler auf und beschreibt anhand des Pflegephänomens “aggressives Verhalten” mögliche Entwicklungslinien psychiatrischer Pflegeforschung.

The following article is concerned with the differences between psychiatric and general nursing, shows areas of scientific interest of a group of psychiatric nurses. Finally, using the nursing phenomenon “aggressive behaviour” possible developments of psychiatric nursing research are outlined.

Erfolge und Probleme bei der Gutachtertätigkeit: Begutachtung von Menschen mit Demenz

Haux, E. (Seite 141-140)

11. Jahrgang (2) – Mai 2006 Seite 141-151 ISSN 1430-9653

Die steigende Zahl von Menschen mit Demenz gibt den Impuls, die Begutachtungspraxis nach dem Pflegeversicherungsgesetz (SGB XI) für diese Pflegebedürftigen mit einem erheblichen allgemeinen Betreuungsbedarf zu betrachten. Beispiele aus der Beratungs- und Gutachtertätigkeit zeigen, wie stark die Interpretation des individuellen Pflegebedarfs divergiert. Selbst bei exakter Anwendung der Begutachtungsrichtlinien ist die Pflegezeit nach § 14 Abs. 4 SGB XI nicht ausreichend, Menschen mit Demenz mit Würde zu pflegen. Das Pflegeleistungs-Ergänzungsgesetz (PflEG) ist weiter auszubauen im Sinne von Beratung, Anleitung, Schulung und Entlastung für pflegende Angehörige von Menschen mit Demenz, um die Lebensqualität der Demenzkranken zu verbessern und die Gesundheit der Pflegenden zu fördern. Der personenzentrierte Ansatz nach Kidwood gibt allen an der Pflege und Betreuung beteiligten Berufsgruppen eine neue Sichtweise, das Personsein der Menschen mit Demenz zu erhalten.

The rising number of persons with dementia calls for an approach to those requiring nursing care which, in view of the evaluation practice according to the general nursing care insurance law (SGB XI), stresses their considerable need for general nursing care. Examples from counselling and assessment demonstrate wide variations in the interpretation of the individual need for nursing care. Even with a strict application of the evaluation guidelines, the nursing time allotted according to §14, section 4 SGB XI does not suffice for a dignified care for people with dementia. The amended nursing care services law (PflEG) requires further elaboration in relation to counselling, instruction, training, and relief of care-giving family members of persons with dementia, in order to both improve the quality of life of dementia patients and to foster the well-being of their caregivers. The person-centred approach by Kitwood offers a new perspective to all professionals involved in nursing and caring for these patients to help maintain the personhood of persons with dementia.

Probleme bei der Begutachtung von Kindern
Reisach, B.C. 

 

11. Jahrgang (2) – Mai 2006 Seite 151-156 ISSN 1430-9653

Bei der Begutachtung von Kindern im Rahmen der Pflegeversicherung kommt es gehäuft zu Widersprüchen gegen das Begutachtungsergebnis. Der dafür verwendete Erhebungsbogen des Medizinischen Dienstes der Krankenkassen (MDK) unterscheidet nicht zwischen Kindern und Erwachsenen. Der Mehrbedarf eines kranken Kindes im Vergleich zu einem gleichaltrigen gesunden Kind ist nur unter Berücksichtigung vieler Einflussfaktoren zu beurteilen. Die in den Begutachtungsrichtlinien vorgeschlagenen Zeiten für die Versorgung eines gesunden Kindes je nach Alter beruht nicht auf wissenschaftlichen Ergebnissen. Die angesetzten Pflegezeiten werden einer individuellen Kinderpflege nicht gerecht. Kinder mit bestimmten Krankheiten werden durch die Begutachtungsrichtlinien benachteiligt. Auch fällt die Validität der Pflegebegutachtung bei körperbehinderten und geistig behinderten Kindern unterschiedlich aus. Im Erhebungsgespräch muss der Sachverständige bestrebt sein, eine Atmosphäre des Vertrauens zu schaffen.

When children are assessed under the terms of care insurance the decisions of Assessors are overruled two to one. The assessment of nursing needs as carried out by the Assessment Branch of the Medical Insurance Companies (MDK) does not distinguish between children and adults. The increased demands of a sick child when compared with a healthy one can only be judged after the consideration of many factors. The time allocated for the care of healthy children is according to the Assessment Guidlines not based on scientific research. This time allowonce does not correspond to an individual child`s needs. Children with certain ilnesses are disadvantaged in the Assessment Guidlines and validity of care assessment for physicalls handicapped and mentally handicaped children differs. The Assessor must create an atmosphere of trust during assessment.

Handlungstheoretische Reflexionsebenen in der Pflegedidaktik

Fichtmüller, F. 

11. Jahrgang (2) – Mai 2006 Seite 157-169 ISSN 1430-9653

Die Sektion Bildung der Deutschen Gesellschaft für Pflegewissenschaft greift aktuelle Entwicklungen in der Pflegebildung kritisch auf. Mit diesem Artikel wird ein breiter Diskurs zum Handlungsbegriff in der pflegeberuflichen Bildung angeregt. Dazu werden nach einer theoretischen Herleitung Teile eines Instruments zur Analyse von Handlungsbegriffen vorgestellt. Dieses Instrument ermöglicht eine kriteriengeleitete Untersuchung des Handlungsbegriffs in verschiedenen pflegedidaktischen Konzeptionen, was exemplarisch aufgezeigt wird.

The working group education of the German Society for Nursing Science takes up current developments of the nursing education in a critical way. This article intents to start a broad discourse on the concept of action in the vocational education for nurses. In addition, after a short theoretical explanation parts of an instrument are presented to the analysis concepts of action. This instrument makes a criterion-led investigation possible of the concept of action in different didactical concepts for nursing, which is exemplary pointed out.

Podiumsgespräch: Pflegewissenschaft im paradigmatischen Diskurs – Bedeutung für das Pflegehandeln

Arnold, D. Kersting, K. Stemmer, R. (Seite 170-182)

11. Jahrgang (2) – Mai 2006 Seite 170-182 ISSN 1430-9653

Ein Fallbeispiel aus einer empirischen Studie wird vorgestellt, das eine alltägliche Pflegesituation im Krankenhaus darstellt. Diese Situation wird aus zwei unterschiedlichen theoretischen Perspektiven heraus analysiert. Die Position der kritischen Theorie fokussiert auf die strukturellen Bedingungen von Pflegearbeit sowie den Widerspruch zwischen Anspruch und Wirklichkeit; die poststrukturalistisch-feministische Position stellt die Bedeutung von Macht in der Pflegepraxis und Möglichkeiten zum Widerstand sowie die Hausarbeitsnähe des Pflegeberufs in den Mittelpunkt der Betrachtung.

An exemplar based on empirical data concerning an everyday situation in nursing on a hospital ward is presented. This situation is analysed out of two theoretical perspectives. The position of critical theory focuses on the structural conditions of nursing, and on the tension between demands and reality; the poststructuralist-feminist position concentrates on the importance of power and possibilities of resistance in nursing practice, and on the close relation between nursing and housework.

Artikel Pflege & Gesellschaft 3/2006

Integrierte Versorgung nach deutschem Muster

Schaeffer, D.; Ewers, M. 

11. Jahrgang (3) – August 2006 Seite 197-209 ISSN 1430-9653

In den letzten Jahren wurden in Deutschland zahlreiche Initiativen zur Förderung der Integrierten Versorgung auf den Weg gebracht, vorrangig mit dem Ziel die unbefriedigende Effektivität und Effizienz des Versorgungssystems zu verbessern. Bei näherer Betrachtung zeigt sich aber, dass diese Initiativen durch eine Reihe von Engführungen gekennzeichnet sind, auf die in diesem Beitrag hingewiesen wird. Gezeigt wird nicht nur, dass der Frage der Versorgungskontinuität – und damit der Patientenperspektive – in den aktuellen Reformbestrebungen sowohl auf politischer wie auch auf praktischer Ebene zu wenig Beachtung geschenkt wird. Auch die Bedeutung der professionellen Pflege für die Sicherstellung einer integrierten und kontinuierlichen Versorgung sowie ihre Potenziale zur Übernahme zentraler Steuerungs- und Versorgungsfunktionen werden in der integrierten Versorgung nach deutschem Muster unterbewertet. Als “caring profession” ist die Pflege im Interesse der Patienten herausgefordert, diese Engführungen zu überwinden und in der aktuellen Diskussion über integrierte Versorgung eine aktive Rolle zu übernehmen.

Prävention und Gesundheitsförderung als Konzepte der Pflege

Sabine Bartholomeyczik

11. Jahrgang (3) – August 2006 Seite 210-222 ISSN 1430-9653

In dem Beitrag wird der Frage nachgegangen, welche Bedeutung Prävention und Gesundheitsförderung in der Pflege haben. Dafür werden zunächst Begriffe definiert, um dann festzustellen, dass die Definitionen letztlich unklar sind. Eine Analyse von Präventionsbegriffen in der Sozialgesetzgebung zeigt auf, dass es eine “babylonische Sprachverwirrung” gibt. Empfohlen wird, die Unterscheidung in unterschiedliche Präventionsarten aufzugeben, dafür aber zu verdeutlichen, dass präventive Maßnahmen und Gesundheitsförderung in allen Phasen von Gesundheit und Krankheit möglich und nötig sind.
Schließlich wird nachgewiesen, dass Prävention ein konstitutiver Bestandteil von Pflege ist, ohne den Pflege nicht ist. Das bedeutet aber auch, dass traditionelles Pflegehandeln erweitert werden muss, der Ressourcenbegriff theoretisch und praktisch bearbeitet werden muss und die Adressaten pflegerischen Handelns nicht nur auf der Individuenebene gesehen werden dürfen.

Evaluation von Pflegekursen: Stärken und Herausforderungen

Sabine Dörpinghaus

11. Jahrgang (3) – August 2006 Seite 223-239 ISSN 1430-9653

Das Deutsche Institut für angewandte Pflegeforschung in Köln (dip) konnte mit Fördermitteln der Bosch BKK erstmals bundesweit Pflegekurse nach § 45 SGB XI untersuchen. Im Zentrum des Förderprojektes standen die Entlastungs- und Unterstützungspotenziale für pflegende Angehörige und die Frage, ob die Gruppenschulungskurse auf die Bedürfnisse der Zielgruppe abgestimmt sind. Mit Hilfe eines triangulativen Ansatzes wurde der wenig erforschten Frage nachgegangen, wie sich die Situation von Pflegekursen für pflegende Angehörige und Kursleiter darstellt und wie sich dieses Unterstützungsangebot gestaltet.

Lücken und ungeeignete Handhabungen werden sichtbar, wo es um zielgenaue und niederschwellige Hilfsangebote im Bereich der Beratung und Unterstützung geht und eine vorwiegend pflegefachliche Qualifizierung der pflegenden Angehörigen angestrebt wird. Es konnte dargelegt werden, dass Pflegekurse positive Effekte u.a. auf das Wohlbefinden und die Lebensqualität haben; Ansatz, Struktur und inhaltliche Gestaltung sind allerdings optimierungsbedürftig.

Biographieforschung – ein interessanter Weg für die Pflegeforschung

Anke Fesenfeld

11. Jahrgang (3) – August 2006 Seite 240-266 ISSN 1430-9653

Eine qualitative Studie zum Leib-Erleben von Frauen nach einer Brustamputation, die nach dem biographieanalytischen Vorgehen nach Gabriele Rosenthal durchgeführt wurde, macht deutlich, wie wichtig rekonstruktive Ansätze der Biographieforschung für Pflegeforschung und -praxis sind. In der Pflegeforschung eignet sich das Verfahren sehr gut, um Ansätze zur Konzeptentwicklung zu finden, Entwicklungen in der Pflegepraxis anzustoßen, bestehende Konzepte zu prüfen und das eigene berufliche Handeln zu reflektieren. Im pflegerischen Alltag könnten einzelne Elemente wie die narrative Gesprächsführung und eine grobe Analyse der daraus gewonnenen Erkenntnisse gewinnbringend eingebracht werden.

Zusammenhänge von körperlichen und psychischen Beeinträchtigungen mit Fehlzeiten und der Fluktuationsneigung bei Altenpflegekräften

Klaus-Helmut Schmidt, Barbara Neubach

11. Jahrgang (3) – August 2006 Seite 267-274 ISSN 1430-9653

Mit Pflegetätigkeiten sind sowohl körperliche als auch psychische Beanspruchungen verbunden. Während die situationsbezogenen Ursachen dieser beiden Beanspruchungsformen gut untersucht sind, ist wenig über deren Folgen für die Beschäftigten und die Pflegeeinrichtungen bekannt. Die vorliegende Studie analysiert diese Folgen auf der Grundlage von Fehlzeiten und der Fluktuationsneigung bei Altenpflegekräften. Die Ergebnisse der Studie zeigen, dass nur von Formen psychischer Beanspruchung eigenständige und statistisch bedeutsame Einflüsse auf die Summe der Fehltage, die Abwesenheitshäufigkeit und die Fluktuationsneigung ausgehen. Körperliche Beschwerden tragen dagegen nicht zur Aufklärung der Fehlzeiten und der Fluktuationsneigung bei. Die Ergebnisse legen folglich nahe, insbesondere der psychischen Beanspruchungssituation von Altenpflegekräften verstärkte Aufmerksamkeit zu schenken. Der Beitrag schließt mit der Diskussion einiger potenziell geeigneter Maßnahmen der Beanspruchungsprävention.

Caring activities are associated with physical as well as psychic strain.While the situational causes of both forms of strain are well examined, little is known on their consequences for the nursing staff and care organizations. The present study analyses these consequences on the basis of absence data and turnover intentions among staff of nursing homes for elderly people. The results of the study reveal that only psychic strain exerts a unique and statistically significant influence on the total of days absent, the frequency of absence, and turnover intentions. In contrast, physical strain does not contribute to the explanation of absenteeism and turnover intentions. Consequently, the results suggest to pay increased attention especially to the psychicstrain of the nursingstaff. The article concludes with the discussion of some potentially applicable measures of strain prevention.

Artikel Pflege & Gesellschaft 4/2006

“Du und deine Gene” – Subjektivierungsprogramme und Verantwortungskonzepte in Gesundheitsratgebern

Thomas Lemke

11. Jahrgang (4) – November 2006 Seite 293-305 ISSN 1430-9653

In den letzten Jahren sind eine Reihe von Gesundheitsratgebern publiziert worden, die die Veralltäglichung genetischen Wissens dokumentieren. In diesem Beitrag werden einige dieser Bücher exemplarisch untersucht. Ziel der weitgehend deskriptiv verfahrenden Darstellung ist es, zwei zentrale Entwicklungstrends dieses Literaturgenres zu illustrieren. Zum einen wird die empirische Breite und Vielfalt von Existenzbereichen aufgezeigt, in denen genetisches Wissen helfen soll, Gesundheit und Wohlbefinden herzustellen. Das präsentierte Spektrum reicht von Wellness- über Ernährungs- bis hin zu Lebenshilferatgebern. Zum anderen soll die Analyse dreier Bücher eines ausgewählten Autors, deren Publikationsgeschichte sich von der Mitte der 1970er Jahre bis zum Beginn des neuen Jahrtausends erstreckt, eine historische Perspektive auf die medizinisch-genetische Ratgeberliteratur eröffnen und Verschiebungen von normativen Erwartungen und moralischen Konzepten in den Blick nehmen.

Recently, genetic knowledge has gained an increasing importance in medical advice literature. This article analyses some “guides to health” that ascribe a strategic position to genetic factors. It illustrates two central features that characterise this literature. Firstly, it demonstrates the plurality and heterogeneity of domains in which genetic knowledge presumably helps to achieve health and well-being covering wellness guides and books on nutrition as well as general self-help literature. Secondly, the analysis of three books published by one author between the mid-1970s and the beginning of the new century offers a historical perspective on the growing significance of genetic risks in medical advice literature. It also allows grasping transformations in normative expectations and moral concepts of a genetic responsibility during that period.

Der “ethische Wert” des “eigenen Kindes”. Eine Analyse der bioethischen Diskussion um ungewollte Kinderlosigkeit und Reproduktionsmedizin

Maxine Saborowski

11. Jahrgang (4) – November 2006 Seite 306-321 ISSN 1430-9653

In der bioethischen Diskussion um die Reproduktionsmedizin wird die ungewollte Kinderlosigkeit als behandlungsbedürftige und behandelbare Krankheit verstanden. Dieser Artikel fragt zum einen zurück, wie es dazu gekommen ist, dass der Anspruch auf künstliche Befruchtung uns heute so selbstverständlich erscheint. Die Arbeitsfrage lautet ferner: Wie funktioniert die bioethische Diskussion um die Zulässigkeit, Unzulässigkeit und Anerkennung der reproduktionsmedizinischen Verfahren? Verschiedenste Texte aus der Diskussion wurden analysiert und zentrale Strategien der Darstellung oder Verstellung von Problemen, die dort zu finden sind, werden beschrieben.

In discussions on the bioethics of assisted reproduction, involuntary is increasingly understood as an illness worthy of treatment and indeed even treatable. This article first reflects how it has come about today that the medical means to artificially reproduce has become so self-evident. Further questions addressed are: how does the discussion of bioethics on reproductive technologies negotiate what is permissible, what is inadmissible, and what is in compliance? Considering these questions, various texts contributing to this debate have been analysed. As result, the main strategies for presenting or even disguising related problems associated to this discussion topic are then described.

Zum Anteil des Normalismus an der Problematik von Selbstbestimmung und Eigenverantwortung in der Biomedizin. Zehn Thesen

Jürgen Link

11. Jahrgang (4) – November 2006 Seite 322-327 ISSN 1430-9653

In den zehn Thesen geht es um die Unterschiede zwischen sanktionsbewehrter Normativität und statistischer Normalität, ethisch-normativen Entscheidungen und normalistischer Akzeptanz, defensivem Risikomanagement und offensiver Risikostrategie und begründet die Notwendigkeit des Zusammenwirkens von Normativisten, die sich der Menschenwürde verpflichtet fühlen und risikobewussten Normalisten.

In the ten theses the difference is explored between normativity protected by sanctions and statistical normality, ethically normative decisions and normalistic acceptance, defensive risk management and offensive risk strategy and the necessity is proven for a collaboration of normativists obliged to human dignity and risk-aware normalists.

“Sperrt den Irren endlich weg!” – Der Psychiatrie-Diskurs in deutschen Printmedien und dessen mögliche Auswirkungen auf die psychiatrische Pflege

Cathleen Rompe

11. Jahrgang (4) – November 2006 Seite 328-343 ISSN 1430-9653

Entwicklungen in der Psychiatrie und der Versorgung psychisch Kranker hängen in höchstem Maße davon ab, welche gesellschaftlichen Vorstellungen über die Krankheiten und ihre Ursachen bestehen und welche Einstellungen gegenüber abweichendem Verhalten vorherrschen. Der Artikel fasst eine umfassende Analyse des Psychiatrie-Diskurses in der B.Z. und im SPIEGEL zusammen und stellt dar, wie diese das Alltagswissen über die psychiatrische Versorgung und die Stellung der psychisch Kranken in unserer Gesellschaft prägen. Dabei steht die Frage im Mittelpunkt, mit welchen Strategien Stigmatisierung und Ausgrenzung psychisch Kranker im medialen Diskurs erfolgen. Welche Bilder werden von Menschen mit psychischen Krankheiten und der Psychiatrie in den Printmedien vermittelt? Welche gesellschaftlichen Machtverhältnisse und sozialgeschichtlichen Hintergründe determinieren diesen Diskurs und wie wirkt er sich auf den gesellschaftlichen Umgang mit psychisch Kranken aus? In diesem Zusammenhang soll auch die Frage beantwortet werden, inwieweit psychiatrisch Handelnde, insbesondere psychiatrisch Pflegende, diesen Diskurs beeinflussen können.

Developments in psychiatry and the medical treatment of patients with psychiatric disorders are highly dependant on the pervading social conceptions (and stigmatism) of psychiatric illnesses and their causes, as well as societal attitudes towards deviant behaviour. This article summarises a profound analysis of the psychiatric discourse prevalent in the German newspapers B.Z. and SPIEGEL, how they shape the general everyday knowledge of psychiatric care, and the position or status of psychiatric patients in our society. The question at the fore is what strategies exist to effect the stigmatism and exclusion of people with psychiatric disorders through media discourses. Which images of the mentally ill and from psychiatric units are conveyed in print media? What societal power structures and historical backgrounds determine this discourse and how does it influence societal interactions with persons suffering from a mental illness? In this context, the answer should also be addressed as to what extent those receiving psychiatric care, and particularly those offering psychiatric care, can influence this discourse.

Die Unfasslichkeit der Gesundheit

Martin W. Schnell

11. Jahrgang (4) – November 2006 Seite 344-350 ISSN 1430-9653

Die Unfasslichkeit von Gesundheit: Gesundheit ist nicht einfach nur das Gegenteil von Krankheit. Während Krankheit durch Parameter, Normwerte und Daten bestimmt werden kann, ist Gesundheit eine unbestimmbare Andersheit, die im Vollzug der Existenz ihren schweigenden Sitz hat und als solche durch drei Feststellungen hindurch gewonnen werden kann: die Gesundheitsfalle, die Metaphern der Krankheit und die Normalität der Zitate.

The Incomprehensibility of Health: Health is not just simple the opposite of illness. While Illness can be fixed by parameters, norms and dates, health shows itself as an incomprehensible otherness, that has its quite place in the performance of existence. It can be intended through three fixations: the trap oh health, the metaphors of illness and the normality of quotation.

“Die Lücke füllen” und “in Bereitschaft sein” – Kinder und Jugendliche als pflegende Angehörige

Sabine Metzing, Wilfried Schnepp, Bettina Hübner, Andreas Büscher

11. Jahrgang (4) – November 2006 Seite 351-373 ISSN 1430-9653

Hilfeleistungen im Fall von Krankheit und Pflegebedürftigkeit werden zu großen Teilen von Angehörigen erbracht, und es ist zu erwarten, dass zukünftig immer größere Teile der Versorgung und Betreuung in die häusliche Umgebung verlagert werden. Bei wachsender Zahl deutschsprachiger und internationaler Studien zur Situation erwachsener pflegender Angehöriger ist hierzulande nahezu nichts über Art und Umfang der Unterstützung und Pflege durch Kinder und Jugendliche bekannt. Diese Lücke in Deutschland zu schließen intendiert das hier beschriebene Forschungsprojekt1. In der qualitativen Studie wurden bundesweit halbstrukturierte Interviews (n = 81) in 34 Familien geführt, die von chronischer Erkrankung eines ihrer Mitglieder betroffen sind. Sampling und Datenanalyse erfolgte in Anlehnung an die Methode der Grounded Theory (Strauss/Corbin 1998, 1996). In der Ergebnisdarstellung werden Art und Umfang der von Kindern geleisteten Hilfen als “die Lücke füllen und in Bereitschaft sein” beschrieben und diskutiert.

Most care and support in case of illness and dependency is provided by family members, and an increase in home-care is to be expected in the future. With a growing body of research both international and national on the situation of adult family caregivers, in Germany hardly anything is known about the situation of children and teenagers who are involved into the care of their relatives. The current research project intends to fill this gap. Semi structured interviews (n = 81) have been carried out in 34 families, in which one member suffers from a chronic illness. Sampling and analysis follows the method of Grounded Theory (Strauss/Corbin 1998, 1996). The kind of care and to what extend it is delivered by children will be described by the phenomenon “bridging the gap and being alert” as first results of this study.